Das Pflanzenreich

Wuchsformen, Vermehrung und Fortpflanzung

Heute leben etwa eine Million Pflanzenarten. Sie besiedeln mit einer unabsehbaren Fülle von Individuen die Erdoberfläche nicht nur vom Äquator bis fast zu den Polen, sondern leben auch dort, wo man sie mit bloßem Auge nicht sehen kann, als Pilzgeflecht z.B. in Marmelade oder Brot, als winzige Einzeller oder Sporen im Wasser und in der Luft. Dementsprechend vielfältig ist ihre Gestalt oder Wuchsform, ihre (ungeschlechtliche) Vermehrung und ihre (geschlechtliche) Fortpflanzung.

Man kann das Pflanzenreich in die beiden großen Gruppen der Niederen oder Sporenpflanzen (Algen, Pilze, Flechten, Moose, Farnpflanzen) und der Höheren oder Samenpflanzen (Nackt- und Bedecktsamer) einteilen.

In den beiden ersten Räumen sind die Niederen Pflanzen dargestellt. Sie leben im Wasser oder bewohnen mehr oder weniger feuchte Standorte. Sie bilden, mit Ausnahme der Farnpflanzen, keine echten Wurzeln, Sproßachsen und Blätter aus und besitzen keine echten Leitungsgewebe. Ihre Wuchsform reicht vom Einzeller über die Kolonie bis zum mehrzeiligen Organismus. Die (ungeschlechtliche) Vermehrung erfolgt durch Zellteilung, Sprossung, Abgliederung von Thallusstücken, Brutkörper, Dauerzellen oder Sporen, die (geschlechtliche) Fortpflanzung durch die Verschmelzung einer männlichen und einer weiblichen Zelle, insbesondere der Zellkerne, zur Zygote. Aus ihr entwickelt sich eine neue Pflanze. Foto links: Modell einer Flechte (Haematomma ventosum).

Während die Niederen Pflanzen mehr im Verborgenen „blühen", beherrschen die Höheren Pflanzen die Pflanzendecke der Erde. Sie bilden als einzige heute lebende Pflanzen Samen aus. Diese Pflanzen sind im dritten Raum zu sehen.

Die Nacktsamer (Gymnospermae) sind Holzgewächse von mannigfaltiger Gestalt. Zu ihnen gehören die bis 110 m hohen Mammutbäume Kaliforniens, die zierlichen Rutensträucher des Meerträubels und auch die Palmfarne. Die Blätter sind meist derb und immergrün und besitzen unverzweigte oder gabelig-verzweigte Leitbündel. Der Nacktsamer trägt an einer (einhäusig) oder an zwei verschiedenen Pflanzen (zweihäusig) immer eingeschlechtige, also männliche oder weibliche Blüten. Folgende Abbildung: Schema der Entwicklung von Ginkgo biloba.

Die Bedecktsamer (Angiospermae) sind die größte und höchstentwickelte Gruppe des Pflanzenreiches. Sie sind an das Leben auf dem Land unter den unterschiedlichsten Bedingungen besonders gut angepaßt. Ihre Gestalt reicht vom riesigen Laubbaum über Sträucher und Kräuter bis zu winzigen Schwimmpflanzen. Die Blätter sind immergrün oder sommergrün und von verschiederster Form. Typische Organe dieser Pflanzen sind die Blüten, bei denen die Samenanlagen in ein durch Fruchtblätter gebildetes Gehäuse, den Fruchtknoten, eingeschlossen sind. Er entwickelt sich zur Frucht, welche die Samen enthält. Die (ungeschlechtliche) Vermehrung geschieht auf unterschiedlichste Weise, etwa durch Ausläufer (Erdbeere, Krebsschere), durch unterirdische Sproßknollen (Kartoffel), durch Tochterzwiebeln und durch Brutknospen oder Brutsprosse. Die Blüten dienen der Fortpflanzung, sind mannigfaltig ausgebildet, oft zwittrig und mit einer Blütenhülle versehen; daneben gibt es eingeschlechtige oder nackte Blüten. Die Übertragung des Pollens, die Bestäubung, erfolgt durch Tiere oder durch den Wind. Nach der komplizierten doppelten Befruchtung der Samenanlage entwickelt sich aus dieser der Samen. Der Fruchtknoten wird gleichzeitig zur reifen Frucht, aus der die Samen auf verschiederste Weise frei kommen, wie an Modellen zu sehen ist.
Foto: Modell einer Krötenlilienblüte (Tricyrtis hirta).

In dieser Beschreibung ist die Fortpflanzung in ihren Einzelheiten zu kurz gekommen. Viele, nur unter dem Mikroskop sichtbare Vorgänge hätten hier geschildert werden müssen. In den 17 Vitrinen dieser Abteilung kann man sie jedoch an vielen farbigen, vergrößerten Modellen mit ergänzenden Zeichnungen genauer studieren.
Foto rechts: Modell einer Kletthülse des Schneckenklees (Medicago tornata).

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